Need for Speed III – Hot Pursuit

Zuhause! Was für ein schönes Wort! Sofort schießen einem jeden Bilder in den Kopf- sei es von blühenden Wiesen, hochfrequentierten Hauptverkehrsstraßen oder schneebedeckten Berglandschaften. Man freut sich nach jeder längeren Reise immer wieder den Namen der Heimatstadt auf dem Ortseingangsschild zu lesen und durch die Straßen zu fahren in denen man aufgewachsen ist und die man sein Zuhause nennt…

Ob Electronic Arts diese Gefühle im Jahre 1998 wecken wollte, als sie „Need for Speed III – Hot Pursuit“ veröffentlichten, ist mir nicht bekannt. Auch ist nicht überliefert warum sie sonst die erste Strecke die man in diesem Rennspiel zu sehen bekommt „Hometown“ (engl. „Heimatstadt“) getauft haben könnten.

Nfs3

Fakt ist: Sie haben es getan und 15 Jahre später weckt der Name „Hometown“ noch immer genau die oben beschriebenen Gefühle bei mir.

Mit „The Need for Speed“ (1994) und “Need for Speed 2” (1997) hatte EA eine Marke etabliert, die bei Geschwindigkeitsjunkies auf der ganzen Welt einen Nerv traf.
Edle Nobelkarossen, von denen wir uns im echten Leben nicht einmal den Zigarettenanzünder leisten könnten paarte EA mit abgesteckten Rundkursen in malerische Kulissen: Serpentinen-Straßen, staubtrockene Wüstenkurse und Rennen unter Palmen in den Südsee-Sonnenuntergang hinein konnten im Wettkampf mit dem Computer oder mit und gegen einen Freund absolviert werden.
Eine Formel, die bis heute funktioniert! (oder funktionieren könnte, aber der Verfall von Nicht-Open-World-Rennspielen soll hier nicht Thema sein).

1998 dann kam „Need for Speed III – Hot Pursuit“. Und spätestens damit gelang den Entwicklern der Sprung auf den Rennspiel-Olymp.

Der gebotene Fuhrpark wurde noch größer, die Kulissen noch gigantischer und die Grafik- MEIN GOTT WAS FÜR EINE GRAFIK! Uns sind die Augen geschmolzen, angesichts der glänzenden Lamborghini Diablo’s, Ferrari Spider’s, Mercedes CLK GTR’s und wie sie alle heißen!

Um dem ganzen die Krone aufzusetzen führte EA ein neues Spielelement ein, dass die Serie auf eine ganz neue Ebene hob: Verfolgungsjagden! Nun war es möglich sich nicht nur in illegalen Straßenrennen, sonder auch im Wettkampf mit der Polizei zu messen, die einem auf den qualmenden Fersen war.

Das alles führte dazu, dass „Hot Pursuit“- und sein 2002 erschienener direkter Nachfolger- heute von NFS-Spielern auf der ganzen Welt als die besten Spiele der Serie angesehen werden.
Mit Blick auf die ganzen genialen und einzigartigen Strecken- Atlantica, Aquatica, Summit, Empire City und co.- würde auch ich das Game als ein sehr, sehr gutes Rennspiel bezeichnen.

Hier wäre dieser Artikel dann auch normalerweise beendet. Aber NFS:HP ist mehr als die Summe seiner Teile und für mein Zockerleben bedeutender als seine beiläufige Erwähnung als meiner persönlichen „Launch Titel“ für meinen ersten PC.

Denn dann gibt es da noch den Hometown-Fakt.

Hometown-icon

Hometown

Und der wirft alles um. Mit diesem Punkt geht dem Artikel dann auch eine gehörige Portion der sowieso schon nur bedingt vorhandenen Objektivität verloren.

Viele Spieler kennen das: Da gibt es in diesem guten, manchmal auch weniger guten Spiel dieses eine Level, die eine Map, das eine Feature, dass euch nicht mehr los lässt. Diese eine Variable im Spiel, die euch Hausaufgaben vergessen und soziale Kontakte vernachlässigen lässt.

„NFS-Hot Pursuit“ hat gleich zwei davon.

Da ist der „El Nino“. „El Nino“ ist der verdammt nochmal geilste Sportwagen, den es je in einem Videospiel gegeben hat. Der RedBull X1, den Gran Turismo 5 bietet, ist ein Witz dagegen!
Hat man den „El Nino“ durch das Beenden der Meisterschaft auf höchstem Schwierigkeitsgrad erst einmal im Hot Pursuit-Fuhrpark, wirken die ganzen anderen Luxus-Karossen wie der Parkplatz des örtlichen Gebrauchtwagenhändlers.

Und dann fährt man dieses Geschoss das erste mal in „Hometown“.

Elninoloading

El Nino…

„Hometown“ ist an sich eine Strecke mit vielen schnellen und einer Haarnadel-Kurve. Durch die förstlich-ländliche Idylle zu rasen macht auch mit anderen Wagen schon einen heiden Spaß- Mit dem „El Nino“ ist es wie der Ritt auf einem wütenden Stier durch einen vollbesetzten S-Bahn Wagon.

Die Runde absolvieren kann jeder, sie mit diesem trägen und zum Untersteuern neigenden Höllengerät auf vier Rädern zu perfektionieren, ist fast unmöglich!
Und selbst wenn du denkst, du hast eine gute Runde hingelegt, weil du jede Kurve getroffen hast und nirgends angeeckt bist, dann kannst du trotzdem noch 3 Sekunden eingebüßt haben…

Zu F-Zero habe ich vor drei Wochen geschrieben:

„Wir haben es gesuchtet, unsere Zeiten gejagt, neue Bestmarken gesetzt und das Tag für Tag, Woche für Woche.“

Das stimmt! Aber gegen das was wir mit NFS:HP erlebt haben, ist F-Zero nicht mehr als eine unleserliche Fussnote auf einer vergilbten, 20 Jahre alten Bedienungsanleitung der von Oma geerbten Waschmaschine!

Mein Freund Orhan und ich, wir haben uns Duelle vor meinem Rechner geliefert, meine Herren, Senna versus Prost war dagegen ein lahmes Duell auf nem rostigen Kirmes-Autoscooter.

Irgendwann waren wir uns beide sicher, die Zeit von ca 1:05 Minuten die wir da hingezaubert haben musste ein absoluter Weltrekord sein. Unmöglich, das irgendwer auf diesem Planeten die Runde noch besser hinbekommt!
Ein halbes Jahr später haben wir schließlich die 1:00 geknackt und waren somit noch einmal 5 Sekunden schneller. Irgendwann konnte ich die Strecke- und das ist wörtlich gemeint- blind fahren. Und das deutlich schneller als heute mit weit geöffneten Äuglein.
Ich bin bis heute überzeugt, das wäre noch nicht das Ende in unserem Streben nach der perfekten Runde gewesen.
Doch irgendwann kamen neue Spiele und so unwesentliche neue Freizeit-Beschäftigungen wie Frauen, Feiern und das Lernen für die Oberstufe.

Lustigerweise besitze ich das Spiel mittlerweile wieder (für die Playstation) und selbst eine Zeit von 1:05 ist für mich heute utopisch. Und auch auf Youtube gibt es nur eine handvoll Videos, hochgeladen von Zeitenjägern wie uns, in denen Sie unter einer Minute blieben.

„Need for Speed: Hot Pursuit“ wird auf ewig einen Platz in meiner Spiele Hall-of-Fame, als eines der besten Rennspiele aller Zeiten haben.
Aber Hometown- Hometown bleibt Heimat! Ich erkenne immer noch jeden Grashalm am Rande der Pixelmatch-Strecken. Ich weiß auch heute noch, welche Zwischenzeit ich an welcher Stelle der Strecke haben muss um eine gute Zeit in den Asphalt zu brennen.

Und mit jedem Start des Spiels fühle ich mich wieder, als würde ich die Autobahnabfahrt der A67 nehmen und auf die B43 abbiegen, um kurz darauf das Ortseingangsschild „Raunheim“ zu passieren- eben nach Hause kommen. Well Done, EA! Den Namen habt ihr wirklich perfekt vergeben!

7 Kommentare zu “Need for Speed III – Hot Pursuit

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